Kontakt /
                  contact      Hauptseite / page principale / pagina principal /
                  home      zurück / retour
                  / indietro / atrás / back
voriges Kapitelvoriges     nächstesnächstes Kapitel

Die nationalsozialistisch orientierten Front-Organisationen in der Schweiz 1930-1957

14. Burris Bewegungen BSG, NSBidS und NSSB im Dritten Reich und in der Schweiz

Bund der Schweizer in Grossdeutschland (BSG) - Nationalsozialistische Bewegung in der Schweiz (NSBidS) - Nazionalsozialistischer Schweizerbund (NSSB)

von Michael Palomino (1998 / 2005 / 2010)


Teilen:

Facebook








aus: Walter Wolf: Faschismus in der Schweiz. Die Geschichte der Frontenbewegung in der deutschen Schweiz 1930-1945. Flamberg-Verlag Zürich 1969.


Burris Bewegungen BSG, NSBidS und NSSB im Dritten Reich und in der Schweiz
Franz Burri und seine Bünde - Zusammenfassung
Der schweizer Nazi Burri flüchtete ins Dritte Reich, gründete den BSG, wollte dann eigentlich in Nazi-Deutschland in die SS eintreten, was ihm Heydrich aber verwehrte. Daraufhin organisierte Burri weitere Nazi-Bewegungen, den NSBidS und den NSSB. Der NSSB blieb am Ende nur im Reich aktiv. Burri war im Dritten Reich gleichzeitig Mitglied einer Gauleitung und Mitglied der NSDAP. Nach dem Krieg erfolgte die Verurteilung zu 20 Jahren Zuchthaus wegen "Angriff auf die Unabhängigkeit der Eidgenossenschaft".


Details

Der "Bund der Schweizer in Grossdeutschland" (BSG) unter Franz Burri (1940-

Der "Bund der Schweizer in Grossdeutschland wurde im Juni 1940 in Stuttgart von Franz Burri gegründet, der früher als Arzt in Luzern tätig war. Ab seiner Übersiedlung nach Nazi-Deutschland war er SS-Hauptamt tätig. Der BSG hatte eine eigene Fahne, ein schwarzes Hakenkreuz auf braunem Grund. Es bestanden Verbindungen zur "Nationalen Front", zum "Bund treuer Eidgenossen" BTE, zur ESAP, zum NBS, zu Dr. Hügel in Stuttgart, sowie zu Dr. Ashton vom deutschen Konsulat in Zürich.

Führende Mitglieder im "Bund der Schweizer in Grossdeutschland (BSG) sind Schaeppi, Zander, Führer der ehemaligen deutschen "Nationalen Front" in Deutschland, sowie ein Enkel von Hermann Greulich.

Burri ist die oberste Instanz, regelt den Amtsverkehr, den Geldverkehr etc., wird aber bald verdrängt. Im Mitgliedsbuch steht ein doppeltes Bekenntnis zur Weltanschauung Adolf Hitlers. Das Hakenkreuz ist auf dem Buchdeckel (S.89). Fahnenehrungen mit Hitlergruss sind Standard. Gelder kommen
-- vom Volksbund für das Deutschtum im Ausland
-- vom SS-Hauptamt
-- vom NS-Propagandaministerium Berlin.

Gleichzeitig ist der BSG dem SS-Hauptamt monatlich Rechenschaft schuldig (S.90).

Die Politik ist durch verbindliche "Literatur" abgesichert:
-- Hitler: "Mein Kampf"
-- Zander: "Eidgenossenschaft und Reich"
-- Oehler: "Nationale Hefte"
-- Rundschreiben des BSG.

Ausserdem wird der gesamte Schriftverkehr von der Gestapo zensiert. Ziel ist es, eine Kerntruppe von Nazi-Schweizern in Deutschland zu bilden. Die Schweiz soll spätestens nach dem "Endsieg" "eingemeindet" werden, wobei der "Führer" dies allein bestimmt (S.90).

Die Ministerliste für eine nazistische Schweiz - das "Panoramaheim"
Für die "Eingemeindung" wird eine Ministerliste für eine zukünftige schweizer Nazi-Regierung vorbereitet: Nazi-Minister sollen werden: Zander, Wechlin, Max Leo Keller, Ex-Oberst Gustav Däniker. Die schweizer Nazi-Regierung soll auch gegen den Volkswillen installiert werden. Damit ist der Landesverrat vollzogen.

Die Gruppe betreibt im Spionagezentrum "Panoramaheim" in Stuttgart mit einem militärischen Nachrichtendienst gegen die Schweiz. Das "Panoramaheim" fungiert auch als Auffanglager für nazistische schweizer Deserteure, die vor einer Strafe flüchten, geleitet von Schaeppi und Hügel (S.90).

Die vorbereitete Teilnahme an der Besetzung der Schweiz
Die Aktion "S", der Angriff gegen die Schweiz, ist beim BSG vorbereitet. Es sind Listen vorbereitet, welche "Reichsfeinde" bei einer NS-Invasion der Schweiz umgebracht bzw. "vernichtet" weden sollen. Unter dem BSG werden Nazi-schweizerische Truppenteile aufgestellt, um die Schweiz nazistisch zu besetzen, z.B. die "Schweizer Sturmbannen", die der Waffen-SS Soldaten zuführen sollten. Es ist ein "Klub der Vorbestraften", eine Art Fremdenlegion mit dem Beinamen "Himmelfahrtskommando" (S.92).

März 1941
Schaeppi tritt in Prag als sechster Schweizer der Waffen-SS bei und dient als Kriegsberichterstatter an der Front (S.92). Gleichzeitig bittet Zander den Bundesrat um eine Bewilligung für die Freiwilligenwerbung in der Schweiz für den Russlandfeldzug und unterstützt damit Burri / Leonhardt (S.97).

1946 kommt es zum Prozess gegen den BSG in der Schweiz mit 54 Angeklagten, mit Verurteilungen
-- wegen "Angriff auf die Unabhängigkeit der Eidgenossenschaft
-- wegen politischem und militärischem Nachrichtendienst
-- wegen Leistung fremden Militärdienstes oder wegen Anwerbung zu fremdem Militärdienst.

Die Strafen sind 6 Monate Gefängnis bis zu einmal 6 Jahre Zuchthaus (S.93).

In Stichworten:

Bund der Schweizer in Grossdeutschland BSG unter Franz Burri (1940-
Gründung im Juni 1940 in Stuttgart von Franz Burri, früher Arzt in Luzern, jetzt im SS-Hauptamt tätig
Fahne: schwarzes Hakenkreuz auf braunem Grund
Verbindungen zur Nationalen Front, zum Bund treuer Eidgenossen BTE, zur ESAP, zum NBS, zu Dr. Hügel in Stuttgart, zu Dr. Ashton vom deutschen Konsulat in Zürich.

Führende Mitglieder Schaeppi, Zander, sowie ein Enkel von Hermann Greulich.

Burri ist die oberste Instanz, regelt den Amtsverkehr, den Geldverkehr etc., wird aber bald verdrängt. Mitgliedsbuch mit doppeltem Bekenntnis zur Weltanschauung Adolf Hitlers. Das Hakenkreuz ist auf dem Buchdeckel (S.89). Fahnenehrungen mit Hitlergrus. Gelder kommen
-- vom Volksbund für das Deutschtum im Ausland
-- vom SS-Hauptamt
-- vom NS-Propagandaministerium Berlin.

Gleichzeitig ist der BSG dem SS-Hauptamt monatlich Rechenschaft schuldig (S.90).

"Literatur": Hitler: "Mein Kampf"; Zander: "Eidgenossenschaft und Reich"; Oehler: "Nationale Hefte"; Rundschreiben des BSG. Zensur des gesamten Schriftverkehrs durch die Gestapo. Der BSG ist in die Vorbereitung der NS-Besetzung der Schweiz eingebunden, die "Eingemeindung" (S.90). Nazi-Ministerliste mit Zander, Wechlin, Max Leo Keller, Ex-Oberst Gustav Däniker, ist Landesverrat - militärischer Nachrichtendienst gegen die Schweiz von "Panoramaheim" in Stuttgart aus, geleitet von Schaeppi und Hügel - "Panoramaheim" ist Zentrum für nazistische schweizer Deserteure (S.90).

Vorbereitete Liste der zu vernichtenden Personen ("Reichsfeinde") im Falle der Schweiz-Besetzung - Aufstellung schweizerischer Truppenteile durch den BSG zur Schweiz-Besetzung (S.92).

März 1941 Beitritt von Schaeppi zur Waffen-SS, ist Kriegsberichterstatter an der Ostfront (S.92) - Zander fordert beim Bundesrat die Freiwilligenwerbung in der Schweiz für den Russlandfeldzug (S.97).

Prozesse 1946 gegen 54 Angeklagte des BSG mit Verurteilungen zw. 6 Monaten Gefängnis bis 6 Jahre Zuchthaus (S.93).

-----

Die "Nationalsozialistische Bewegung in der Schweiz" NSBidS unter Burri (1941-1945)

gegründet von Burri im April 1941, auch in Verbindung mit dem Nationalsozialistischen Schweizerbund NSSB (gegründet von Burri und Leonhardt). Der NSBidS wird vom auswärtigen Amt in Berlin unterstützt und hat 2400 Anhänger hat (S.93-94) und eine radikale, nationalsozialistische Linie verfolgt (S.95) und Schriften vertreibt:
-- "Internationale Presseagentur" IPA
-- "Eidgenössische Korrespondenz"
-- "Informationen des NSSB" (S.93).

Durch die Kooperation mit einem Chauffeur in Lörrach werden die Schriften in die Schweiz an die Mitglieder des NSBidS geschmuggelt.

Der NSSB
Gründung des NSSB durch Burri 1941, nachdem Burri die Aufnahme in die SS verweigert wurde. Nach einer allgemeinen Razzia der schweizer Polizei am 19.6.1941 flohen Burri und andere ins Dritte Reich und der NSSB löste sich nach nur ca. 3 Monaten Existenz wieder auf, was die Schweiz angeht.
(http://de.wikipedia.org/wiki/Nationalsozialistischer_Schweizerbund)

In Deutschland wird der NSSB aber scheinbar weitergeführt, und der NSBidS wird die Filiale des NSSB in der Schweiz:

Die Schriften des NSSB für den NSBidS
-- Lob auf den Führer

-- Grossgermanische Einheitsidee / Anschlusspropaganda

-- "Wir Schweizer gehören zur Substanz des deutschen Volkes - ... als deutsche Menschen wollen wir deutsch denken und deutsch fühlen"

-- der Ruf: "Für uns gibt es nur einen Ruf: den Ruf des Führers des gesamten deutschen Volkes, den Ruf Adolf Hitlers"

-- "Höher als die Heimat steht die Pflicht dem deutschen Volke gegenüber, dem wir trotz Schweizerpass angehören"

-- "Wir werden nicht ruhen und rasten, bis das Hakenkreuz über der Kuppel des Bundeshauses flattern wird"

-- Aufsätze gegen den Bundesanwalt

-- Aufsätze gegen General Guisan und die Reduitkonzeption mit dem Vorwurf, Guisan ziehe den blutigsten Krieg einer würdigen Verständigung mit dem Nachbarn vor, das Volk als Opfer auf dem Altar der jüdisch-freimaurerischen Weltdemokratie, das Schweizervolk in Lebensgefahr, somit: Guisan sei der Staatsfeind Nr.1, der gefährlichste Landesverräter aller Zeiten, die Armee eine Verschwendung des Nationalvermögens (S.95).

Für die NSBidS sammelt Burri eigene Anhänger in der Schweiz, mit Unterstützung durch die deutsche Gesandtschaft in Bern.

Burri ist 1941 Mitglied der Gauleitung Niederdonau, ab 1942 Mitglied in der NSDAP (94-95). Im Januar 1941 verfasst Burri an Himmler eine Denkschrift, in der er vorschlägt, die SGAD-Mitglieder von Leonhardt als SS-Truppe anzuerkennen. Dies wird von Himmler und Heydrich aber verweigert (S.100).

Mitte 1941 gelangt Burri mit der Forderung an den Bundesrat, es sei "die Hälfte der mobilisierten schweizer Armee unter dem Oberstkorpskommandant Ulrich Wille für den Kampf gegen Sowjetrussland bereitzustellen (S.97).

1941 sind  ca. 40.000 Auslandschweizer im Deutschen Reich, davon aber nicht einmal 4000 in BSG und NSSB. Es finden nur kleine Versammlungen statt (S.98).

An Silvester 1942 wird Burri zum "deutschen Reichsbürger" deklariert, tritt fortan in Parteiuniform auf, mit dem Verdienstkreuz "1.Klasse".

Der NSBidS wird zur Filiale des NSSB, wird zur Konkurrenz zum NBS. Der NSBidS verteilt Flugblätter in einer radikalen nationalsozialistischen Linie wie der NSSB.

Am 18. Mai 1943 beschliesst der Bundesrat die Ausbürgerung von Auslandschweizern, befristet auf 2 Jahre, dann um weitere 2 Jahre verlängert für Leute, die sich "gegen die Sicherheit oder die politische Unabhängigkeit des Landes vergangen" haben. Von der Ausbürgerung betroffen sind u.a. Burri und Leonhardt, auch Zander und Schaeppi etc. (S.98).

Reibereien zwischen NSSB und NSB
Die Bünde betreiben gegenseitig Reibereien und Störaktionen. Gemäss deutschen Vorstellungen soll Keller die beiden Bünde auflösen und an deren Stelle eine einheitliche Bewegung gründen, den "Bund der Schweizer Nationalsozialisten" (BSN).

Am 17. August 1944 findet in Berlin eine dritte Einigungskonferenz für die schweizer Nazi-Gruppen statt, wieder ohne Resultat. Burri ist isoliert, will eine Gegenkonferenz organisieren, was ihm aber untersagt wird. Keller gründet den BSN, hat nun die Plattform, um unter dem Schutz des genialen Führers in die Schweiz einziehen zu können (S.103).

Bis 1944 schnappt die Bundespolizei 48 Mitglieder des NSBidS und vollzieht Prozesse in Basel 1945-1946 (S.93-94).

Im Dezember 1945 wird Burri vom "amerikanischen" Militärbehörden gefasst und am 31.5.1946 abgeschoben. Der Prozess gegen Burri findet vom 20.4.-7.5.1948 vor dem Bundesgericht statt und endet mit der Verurteilung zu 20 Jahren Zuchthaus wegen Angriff auf die Unabhängigkeit der Eidgenossenschaft (S.104).

voriges Kapitelvoriges     nächstesnächstes Kapitel





^