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Encyclopaedia Judaica

Jews in Zurich 1273-1970

Taxes, rights, restrictions - Black Death stake of 1349 - expulsion in 1634 - new settlement since 1866

from: Zurich; In: Encyclopaedia Judaica 1971, vol. 16

presented by Michael Palomino (2008)

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<ZURICH, capital of the canton of the same name, N. Switzerland.

[First Jews since 1273 - taxes - rights and restrictions]

Jews first arrived in Zurich in 1273, settling in a street known as the Judengasse [["Jewish alley"]] (now the Froschaugasse [["Frog Meadow alley"]]). They also had a cemetery. Their taxes were paid to Emperor Rudolf I of Hapsburg, but in other respects they were dependent on the town, which undertook to protect them in exchange for a fee of ten marks and authorized them to engage in moneylending. They were also allowed to acquire real property. However they were compelled to remain indoors during Holy Week.

Their principal occupation was moneylending, which they practiced on a large scale, dealing with the municipality, the leading aristocratic families, and even lending considerable sums abroad in such towns as Wuerzburg, Venice, and Frankfort.

[Black Death persecutions - Jews at stake on 22 Feb. 1349]

As the *Black Death spread throughout Switzerland, the rumour that the Jews had caused the plague by poisoning the wells reached Zurich at the end of 1348. At first the municipal council attempted to protect the Jews, but it was finally forced to cede to the populace. Numbers of Jews were then burnt at the stake on Feb. 22, 1349, and their belongings confiscated by the municipal council. The emperor promptly protested, claiming compensation; once he had received this, he absolved the council from the charge of murder.

The talmudist, Moses of Zurich, author of glosses on the SeMaK (Sefer Mitzvot Katan) which are known as Semak Zurich, lived in the town during the early 14th century. (col. 1241)

[Jews again in Zurich since 1352 - and new expulsion orders - total expulsion in 1634 - new Jewish settlement and community since 1866 - synagogue since 1883]

In spite of the massacre of 1349, Jews reappeared in the town as early as 1352. Several expulsion orders were issued (1425, 1435, 1436), but the very number of expulsions indicates that the orders were not strictly observed. However when, in 1634, the Jew Eiron (Aaron) of Lengnau, originally of Frankfort, was executed in Zurich for blasphemy, the Jews were finally and totally expelled.

After the *French Revolution a few Jews attempted to reestablish themselves in Zurich, but it was only after the emancipation of the Jews of Switzerland (1866) that a new community, largely formed by migrants from *Endingen and Lengnau, was established. The first synagogue was inaugurated in 1883. The community grew rapidly until it became the leading one in Switzerland;

in 1960, there were 6,143 Jews living in Zurich. The secretariat of the Schweizerischer Israelitischer Gemeindebund [["Swiss Israelite Federate Corporation"]] had its headquarters in the town.

In 1970 Zurich had three Jewish communities - the moderately Orthodox Israelitische Cultusgemeinde [["Orthodox Israelite Cult congregation"]] (I.C.Z.; 1,485 members), the Orthodox Israelitische Religionsgesellschaft (294 members), and Agudas Achim (165 members) which followed the Eastern European tradition - each possessing its own religious institutions and officials. A full-time Jewish school was founded, which in 1970 had more than 145 pupils.

Hebrew Printing.

During the 16th and 17th centuries a number of Christian printers in Zurich produced books containing Hebrew type; chief of these was the house of Froschauer (from 1528), which used the type of *Fagius. In 1558 Eliezer b. Naphtali Herz *Treves printed Psalms with a rhymed Yiddish translation by Elijah Bahur Levita. The same year Hebrew type was used in J. Reuchlin's Clarorum Verorum Epistolae. In the 17th and 18th centuries the presses of J.J. Bodmer and of J.H. Heidegger used Hebrew type, the former from 1635 to 1727, the latter from 1673 to 1766. A few Hebrew works were also produced in Zurich in the 19th century.

Bibliography

-- Germ Jud, 2 (1968), index
-- Schweizerischer Israelitischer Gemeindebund: Festschrift zum 50-jaehrigen Bestehen (1954)
-- A. Weldler-Steinberg: Geschichte der Juden in der Schweiz (1966)

HEBREW PRINTING
-- K.J. Luethi: Hebraeisch in der Schweiz (1926), 32-35
-- H.D. Friedberg: Toledot ha-Defus ha-Ivri be-Eiropah (1937), 11-12
-- C. Freimann: Gazetteer of Hebrew Printing (1946), 78> (col. 1242)



Encyclopaedia Judaica 1971: Zurich, sources
Encyclopaedia Judaica 1971: Zurich, vol.
                          16, col. 1241-1242
Encyclopaedia Judaica 1971: Zurich, vol. 16, col. 1241-1242

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Basler
              Zeitung online, Logo

27.4.2012: Juden in Zürich - Details über kosher und nicht ganz kosher zum 150-Jahre-Jubiläum

aus: Basler Zeitung online: TV-Kritik: Nicht alles ganz koscher; 27.4.2012;
http://bazonline.ch/kultur/fernsehen/TVKritik-Nicht-alles-ganz-koscher/story/31272667

Texte der Bilderstrecke:

<1. Die jüdische Gemeinde in Zürich hat eine eigene Ambulanz...
2.
...ein eigenes Altersheim und...
3.
...eigene Schulen.
4.
Josef Wieder ist Lebensmittelinspektor und überprüft regelmässig...
5. ...ob in Coop, Migros und Co. alles koscher produziert wird.
6.
Hält die Produktion den strengen Augen des Lebensmittelinspektors stand, gibt es ein «Koscher»-Zertifikat.
7. Gibt es einen Fehler im Ablauf und ein Lebensmittel wurde versehentlich nicht koscher hergestellt, muss zum Beispiel Louis Reichle vom Qualitätsmanagement der Coop-Bäckereien Alarm schlagen. Der Lebensmittelinspektor informiert daraufhin sofort alle Juden in Zürich – notfalls mit Flugblättern.
8.
Gar nicht so einfach, koscher einzukaufen. Einfacher geht es mit der iPhone-App.
9.
In jedem koscheren Haushalt gibt es zwei komplette Geschirr-Services: eines für Milchprodukte, das andere für Fleisch.
10.
Ehevorbereitung für eine jüdische Braut, die bald ihre Traumhochzeit feiern wird.
11.
Bei der Hochzeit bedeckt der Bräutigam das Haupt der Frau. Ab sofort sind ihre Haare nur noch für ihren Mann bestimmt. Deshalb tragen orthodoxe Jüdinnen Perücke.
12.
Mit der Heirat erlangt die Frau eine «ganz wichtige Stellung», wie in der Reportage oft betont wurde.
13.
Religiöse Vorgaben können das Leben vereinfachen, findet die Psychologin Miriam Rosenthal.
14.
Junge Jüdinnen diskutieren über den Traummann, der bestenfalls jüdisch ist.
15.
Party für jüdische Singles.>

Der Artikel:

<Von Denise Jeitziner

Die jüdische Gemeinde in Zürich feiert ihr 150-jähriges Bestehen und «Schweiz aktuell» schaut eine Woche lang in ihre oft sonderbare Welt von koscherem Essen bis eigener Ambulanz. Allzu kritisch wurde es nicht.

Jeder hat sie schon gesehen, die Männer mit den schwarzen Mänteln, den grossen Hüten und langen Bärten. Die jungen Frauen mit den knöchellangen Röcken, den Perücken und den Kinderwagen. Die Jungs mit den kurzgeschnittenen Haaren, den Schläfenlöckchen und den Kickboards, die Mädchen mit ihren hübschen Kleidchen. 18'000 Juden leben in der Schweiz, rund 6000 davon in Zürich. Diese haben ein eigenes Altersheim, eigene Schulklassen, eigene Lebensmittelgeschäfte, sogar eine eigene Ambulanz.

Kein TV und Computer am Samstag

Aber nicht alle sind so auffällig wie die streng orthodoxen Juden, die auf den ersten Blick erkennbar sind und deren Welt für Aussenstehende oft verschlossen bleibt. «Schweiz aktuell» versucht seit diesem Montag, einen Einblick in die jüdische Welt in Zürich, die «Koscher-City» zu gewinnen. Das geht bei der Israelitischen Cultusgemeinde Zürich (ICZ) gut, die dieses Jahr ihr 150-jähriges Bestehen feiert. Denn hier gibt es nicht nur streng orthodoxe, sondern auch liberale Juden. «Für mich heisst jüdisch sein, wenn man am Samstag nicht fernsieht und Computer spielt», erklärt ein kleiner Junge an einem Apéro der ICZ. Trüge er keine Kippa auf dem Haupt, sähe er aus wie jeder andere Zürcher Junge.

So ist es bei den meisten Juden, die bislang in der Sonderwoche von «Schweiz aktuell» zu Wort kamen. Alle reden sie astreines Schweizerdeutsch, sie tragen Jeans, Tops und Sneakers. Tag eins startete schleppend, aber dafür mit der herrlichen Erkenntnis, dass man als Rabbiner durchaus gleichzeitig FCZ- und FCB-Fan sein kann: «Mit gutem Willen geht es, es braucht Akzeptanz und Toleranz», sagte der Rabbiner, meinte damit aber nicht den Fussball, sondern die Extreme orthodox und liberal. Tag zwei der Sonderserie zeigte eine jüdische Schule, ein jüdisches Altersheim und eine jüdische Ambulanz. Leider verschenkte «Schweiz aktuell» letzteres Thema völlig. Warum eine eigene Ambulanz? Wie funktioniert die genau? Worauf genau muss Rücksicht genommen werden? Wer finanziert das Angebot? Gerne hätten wir die Fragen und Antworten gehört.

Inspektor koscher

Mit Tag drei erreichte die Sonderserie ihren bisherigen Höhepunkt: koschere Ernährung. Schon gewusst, dass es eine Smartphone-App gibt, die alle koscheren Lebensmittel in Coop, Migros und Co. kennt? Dass ein Inspektor regelmässig die Lebensmittelproduktion in den Geschäften überprüft? Dass es einen Juden gibt, der einmal wöchentlich den Knopf der Brotbacköfen bei Coop und Migros drückt, damit das Brot 100 Prozent koscher ist? Dennoch blieben einige Fragen offen: Gibt es Verträge mit Migros und Coop? Wie sind die gegenseitigen Verpflichtungen? Interessantestes Votum von Tag drei: «Wir würden fast lieber verhungern, als etwas zu essen, das nicht koscher ist», so der Lebensmittelinspektor Josef Wieder.

Am gestrigen Tag vier gab es eine jüdische Traumhochzeit zu sehen (an der Party tanzen Frauen auf der einen Seite des Saals und Männer auf der anderen, damit es keine ausserehelichen Verlockungen auf der Tanzfläche gibt) und jüdische Single-Frauen auf Traummann-Suche. Und es ging um die Rolle der Frau, die immer wieder als «ganz, ganz wichtig» bezeichnet wurde, was schön ausgedrückt so viel heisst, dass sich die Frau um den koscheren Haushalt und die Kindererziehung kümmert. Daheim hat also die Frau das Sagen, in der Synagoge hat sie jedoch nichts zu suchen, dort, wo die Männer sitzen. Den Frauen bleiben die Plätze auf der Empore. Oliver Bonos «Ist das nicht diskriminierend?»-Frage war eher zögerlich.

Religiöse Führung stärkt Wohlbefinden

Die gefilmten Frauen schienen sich jedoch nicht an der Ungleichheit zu stören und wirkten allesamt selbstbewusst und überzeugt von ihrem Glauben. «Eine religiöse Führung kann gewisse Sachen erleichtern und das Wohlbefinden stärken», sagte die jüdische Psychologin. Zudem sei Religion etwas Persönliches und jeder habe die Wahl. Die Frage, wie es denn sei, wenn man sich in einen Andersgläubigen verliebe, beantwortete sie ebenso schwammig wie der Lebensmittelinspektor die Frage beantwortete, was denn passiere, wenn man versehentlich etwas Unkoscheres gegessen habe.

Eine stark gelebte Religion ist für Aussenstehende mit wenig Bezug wohl immer schwer nachvollziehbar – egal, ob jüdisch, katholisch oder reformiert. Im Gegensatz zu den Zehn Geboten der Katholiken haben die Juden 613 Gebote und Verbote zu befolgen. Viele nehmen diese sehr ernst; viel ernster und genauer, so scheint es, als die meisten Andersgläubigen die ihren. Für nichtjüdische Zuschauer ist das alles zu unübersichtlich und vieles in der «Schweiz aktuell»-Sonderserie wirkte entsprechend sonderbar. Der kurze Einblick in die grösstenteils unbekannte «Koscher City» war aber interessant (je orthodoxer, je spannender), die Themen vielseitig und gut gewählt. Schade, hat man es verpasst, hie und da ein wenig mehr nachzuhaken und in die Tiefe zu gehen. Ob wir Nichtjuden alle Antworten verstanden hätten, ist jedoch wieder eine andere Frage.

(baz.ch/Newsnet)>





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